Über die Kunst

Foto von Dominika Roseclay von Pexels

„Der Künstler als Koch“

Der Begriff Kunst ist sehr weit und kann sich auf allesmögliche beziehen. Es gibt keine Definition. Es gibt keine Regeln.

Ein Künstler ist im Prinzip wie ein Koch, der einem Gast etwas leckeres zubereitet. Er nimmt Zutaten, welche der Gast meistens schon kennt, und mischt diese in seinem Rezept zu einer neuen, wohlschmeckenden Kombination, die dem Gast viel Freude und Abwechslung bereitet. Der Künstler, im Vergleich, nimmt Farben, die der Betrachter bereits kennt und malt mit diesen ein neues Bild. Ob diese Kunst gut ist und jemandem gefällt ist Geschmackssache.

Ist es nun wirklich so einfach? – kann dieser Vergleich ernsthaft auf den „Künstler“ an sich übertragen werden, oder macht dieser noch mehr – an Kreation!? Das ist wahrscheinlich abhängig vom Koch, denn dieser kann durchaus das Kochen zur Kunst machen. Aber ab wann kann man dies als Kunst wahrnehmen? – etwa durch den Genuss?! – Also den positiven Nutzen für den Gast, der nicht nur einfach seinen Hunger stillt und satt wird, sondern der sein Leben dadurch intensiv genießen kann, also im Moment der Kunst seine eigenen Gefühle aufkommen und diese aktiv wahrnimmt, und sich selbst findet – also durch die bewusste Wahrnehmung des Lebens zur eigenen Existenz findet.

Wenn es zu einem Gefühl kommt, welches den alltäglichen Rahmen sprengt; wenn es zu mehr als nur bloßer Nahrungsaufnahme kommt;  wenn es nicht mehr nur um das Essen geht, sondern um den Geschmack! – dann fängt das Leben an! – Und wenn es nicht mehr nur um Farben geht, sondern um das Bild welches man wahrnimmt, und die Gefühle, die das Bild in einem auslösen. Und natürlich ist es egal um welche Kunstform es sich handelt, aber gerade durch den Vergleich des Künstlers als Koch (oder des Koches als Künstler), lässt es sich sehr einfach und elementar darstellen, um was es in der Kunst geht.

Doch was macht das Leben aus? Starke Gefühle!? – Emotionen, die das Bewusstsein erwecken – zwischen Alltagsroutine und Arbeit? Aktives Handeln!? Freiheit!? Wille!?

Warum kann der Gast (der Mensch) nicht einfach die Grundnahrungsmittel immer gleich essen, warum braucht es dazu verschiedene Speisen, die „Spaß machen“ zu essen, wenn der Hunger doch auch von dem „normalen Essen“ gestillt werden könnte? Der Mensch braucht natürlich mehr um ein schönes und erfülltes Leben zu führen, denn er ist keine Maschine, er ist kein Tier, er ist Mensch – nimmt sich und seine Umgebung bewusst wahr und weiß, dass er lebt und, dass er sterben wird. Diese absurde Erkenntnis transzendiert ihn ganz und gar. Ist die Kunst dann etwa ein „magischer Code“, ein unerfasstes Wissen, das den Ausgleich für ein „sinnloses“, „absurdes“ Leben bringt, das dem Menschen Sinn verleiht durch die Schönheit, die er sich selbst erschafft?! Man kommt zu der Frage: ist Genuss eine sinnlose, egoistische Betätigung – oder sogar der entscheidende Faktor für ein sinnvolles, und erfülltes Zusammenleben?! Und ist Kunst, in den verschiedensten Formen, nur ein optionaler „Luxus“, oder ein essentielle Teil des modernen Menschen – ohne den er verrückt werden würde in einer „kalten, leeren, sinnlosen Welt“?!

Es geht jedenfalls nicht darum, dass die Speise als „Kunst“ bezeichnet wird, sondern, dass sie (dem Gast) gut schmeckt! Eine ganz subjektive, individuelle Beurteilung – und dennoch oft auf andere Gäste übertragbar! So erschafft und probiert der Koch seine eigene Kreation, und urteilt repräsentativ für eine große „Genießer-Gruppe“ – nicht weil er im Zeitpunkt des Kochens, dem kreativen Prozess, gerade an all die „Gäste“ denkt, sondern weil er ein Mensch, wie alle anderen ist, und deshalb, zwar nicht immer den gleichen, aber einen ähnlichen Geschmack aufweist! Das heißt der Künstler agiert auch wie ein guter Politiker – repräsentativ für eine größere Bevölkerungsgruppe – die auch, wie der Künstler, aus dem Kunstwerk einen (seelisch) positiven Wert beziehen kann. Und so teilen diese Menschen eine Ähnlichkeit, und sind über die Kunst, verbunden als Gruppe und vor allem als Mensch! Denn sie reagieren auf das gleiche Kunstwerk (z. B ein Gemälde, ein Lied, oder etwa ein leckeres Essen) mit ähnlichen Gefühlen und beweisen dadurch, dass tief im Innersten des Menschen eine Verbindung besteht, vielleicht nicht unbedingt eine Gleichheit (da es verschiedene Interpretationen des Kunstwerks gibt), aber eine mögliche Gemeinsamkeit, trotz der Verschiedenheit und Individualität der Menschen. Durch diese Verbindung oder Gemeinsamkeit, wird dann über längere Zeit der Weg bereitet für Traditionen und Kulturen, welche ganze Bevölkerungsgruppen repräsentieren können, zum Beispiel durch Nationalgerichte oder Architekturstile.

Ein Koch kocht, weil ihm das gekochte schmeckt. So verhält es sich auch in der Kunst. Und da jeder Mensch, zwar individuell, aber doch irgendwie gleich ist, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es auch einer größeren Gruppe schmecken wird! Das heißt wiederum, dass nicht jeder für sich selbst Künstler sein muss, solange es einzelne gute Köche gibt, die für jeden etwas passendes kochen. Und für verschiedene Gruppen entstehen verschiedene Stile der Kunst, die sich überlappen, da die Zutaten doch meist sehr ähnlich sind.

Foto von Karolina Grabowska von Pexels

Ein Koch kreiert nicht seine komplette Speise – er findet die Zutaten in der Natur und schafft daraus eine neue Kombination. Das Essen, sowie die Farben, stehen in der Natur bereit – der Künstler hat die Aufgabe diese Schönheit zu erkennen und wahrzunehmen, um sie dann als Kunst zu präsentieren. Das heißt Schönheit in der Kunst ist nicht unbedingt eine Kreation, aber eher ein „Finden“ in der Natur. Man pflückt eine schöne Blume auf einer Wiese und stellt sie in eine Vase, wo sie jeder sehen kann – das ist überspitzt ausgedrückt, was der Künstler macht, und doch sehr zutreffend wenn man zum Beispiel an die Fotografie denkt: ein Foto „pflückt“ einen ganz bestimmten Teil aus der visuellen Welt, welche wir wahrnehmen, und stellt diesen als Ausdruck des Fotografen dar. Er findet etwas ganz bestimmtes in diesem visuellen Moment, welches das rein Visuelle übersteigt und aus diesem Grund will er das Bild auch beispielsweise einrahmen oder in einer Galerie ausstellen – also „die Blume in die Vase stellen“. Aber es sind nicht nur die visuellen Teile der Welt – es geht um alles was uns als Menschen bewegt, und die Kunst macht es einem einfacher dieses „Etwas“ zu finden, bzw. der Künstler zeigt uns etwas, so dass wir dieses „Etwas“ möglicherweise auch finden können. Der Künstler macht den Menschen aufmerksam darauf – den Weg dorthin muss jeder selbst gehen.

In der Kunst befreit der Künstler seine Gefühle und zeigt in seinem Kunstwerk nicht etwa diese Gefühle, aber bildet auf einem Medium den Weg ab, wie ein Mensch auch zur Befreiung seiner eigenen Gefühle kommen kann – und dadurch zur Entspannung seiner Seele und Balance mit der Natur.

Die Kunst als gesellschaftliches Phänomen ist etwas, das der Mensch als „Kunst“ bezeichnet, etwas das der Mensch macht, kreiert und kontrolliert – die Schönheit hingegen, ist etwas, das der Mensch nur finden kann! – sie ist nicht zwingend in der Kunst, aber der Künstler kann in seinem Kunstwerk Schönheit finden, oder der Koch kann einen guten Geschmack (=Schönheit) in seinem Essen finden. Er ist es zwar, der ein Rezept erstellt – also entscheidet welche Zutaten in welcher Kombination gekocht werden – der Geschmack aber (die Schönheit des Essens) steckt in der Natur der Zutaten, und wird erst gefunden, wenn der Koch sein neues Rezept, seine neue Speise probiert hat und schmeckt! Der Künstler kann schon vor seinem Schaffensprozess eine gewisse Vorstellung oder Vision von seinem Kunstwerk haben, ob es aber ein „schönes“ bzw. „bewegendes“ Kunstwerk wird, stellt sich erst heraus, sobald er sein Bild fertig gemalt hat. Er kann das Bild immer als „Kunst“ bezeichnen, ob der Künstler oder jemand anderes, aber beim Betrachten des Bildes auch etwas Besonderes darin findet ist nicht im Vornherein klar.

Häusser Art

Ein Künstler kann viel Kunst machen. Ein Koch kann viel Essen kochen. Ob man im Kunstwerk jedoch Schönheit (oder ein Gefühl) erkennt oder findet, oder das Essen gut schmeckt, liegt bei jedem selbst – sprichwörtlich „im Auge des Betrachters“. Und es geht jedenfalls nicht um die „Kunst“ in der Kunst, die man einfach als Kunst „labeled“ und hinnimmt oder akzeptiert, weil sie von einem ernannten „Künstler“ stammt. Und es geht auch nicht um das Essen, das als „Sterne-Küche“ oder „Feinkost“ bezeichnet wird… Es geht um die Wirkung auf den Menschen, auf sein Leben – und die Interaktion, Kommunikation und Verbindung mit dem Künstler als Mensch und dem „Betrachter“ als Mensch, räumlich und zeitlich völlig unabhängig voneinander, wo das Kunstwerk an sich aber als universelle, unbewusste Sprache fungiert – und als unfassbares, unbeschreibliches Wissen, als Ausdruck des aktiven Seins des Individuums, als Spiegel der Gesellschaft, als Existenz in der Welt – als Gefühl des freien Menschen!

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Über die Kunst – weiter gedacht…

Vielleicht ist jeder Mensch auf eine gewisse Weise Künstler, egal was er macht im Leben – alleine dadurch wie jemand sein Leben führt, wie jemand auf unerwartete Situationen oder Ereignisse kreativ reagiert – jedes Problem, erfordert eine kreative Problemlösung, was das Leben zur Kunst macht – wie jemand mit seinen Mitmenschen, Freunden und der Familie interagiert und welche Emotionen und Gefühle er in ihnen erweckt bzw. mit ihnen teilt. Manchmal ist es schon alleine der Charakter, der Humor oder die Persönlichkeit eines Menschen, die auf andere wie Kunst wirkt, manchmal ist es auch die äußere Schönheit eines Menschen (Körper, Mode, Stil) und manchmal die Innere Schönheit, die Gefühle ausstrahlen. Man nennt es auch Charisma oder die Ausstrahlung einer Person. Zum Beispiel kann jeder seinen Beruf zur Kunst machen, indem er ihn besonders gut macht – oder sein Leben zur Kunst machen, indem er es besonders gut lebt.

Ein Alchemist kreiert aus etwas Wertlosem das allerwertvollste Gold – so macht es auch der Künstler, denn er macht aus wertlosen Tönen Lieder (Musik), aus wertlosen, unbedeutenden Worten Gedichte (Literatur), aus bloßen Strichen Zeichnungen (Design), aus den Grundfarben malt er ein wertvolles Gemälde (Kunstmalerei), ein Koch kann mit relativ günstigen Zutaten ein wertvolles und leckeres Essen kreieren. Und so macht es auch die Natur: sie kreiert aus den kleinsten Atomen die größten Galaxien, aus Wassertropfen entstehen Meere, aus Sandkörnern Wüsten, Bäume zu Wälder, das unlebendige zum Lebendigen, Moleküle verbinden sich und formen Zellen, und aus Zellen baut sich ein Organismus auf. Aber es braucht den Menschen um diesen Wert zu erkennen, ansonsten ist die ganze Welt nur wertlose, leblose Masse. Erst der Mensch gibt dem „Gold“ seinen Wert! – Erst der Mensch gibt der Welt ihre Schönheit, Moral, und Werte…

Foto von Pixabay von Pexels

Die Kunst in ihrer stärksten Form drückt immer aus, dass es eine Freiheit gibt, welche der Mensch vergessen hat – die Kunst ist eine Erinnerung daran, dass er frei ist – aber ständig unterdrückt wird in seinem modernen Leben. Dass er das Gefängnis durchbrechen kann, dass die Kunst ein notwendiges Resultat ist aus einem Leben voller Einschränkungen der menschlichen Natur. Kunst zeigt, dass wir „Leistungsgesellschafts-Zombies“ doch Menschen sind – dass Menschsein mehr ist als Reproduktion, Arbeit und Überleben. Der Mensch ist eingesperrt mit samt seinen Gefühlen und er hat sich schon so sehr an die moderne Leistungsgesellschaft  gewöhnt, dass er unfähig ist diese bzw. sich selbst zu befreien. Der Künstler kreiert durch sein Werk einen Weg und zeigt dem Menschen, dass er frei ist in seinen Gefühlen. Seine Kunst ist ein Ausdruck völliger Freiheit und Schönheit und gleichzeitig ein (Mit-)Leid, Schmerz und die Ehrlichkeit seiner Realität, die sonst nur unterdrückt und ignorieret wird – das Kunstwerk wird zum Ausdruck der menschlichen Natur.

Es gibt keine Definition für Kunst und jede Beschreibung bleibt so undeutlich und wage, wie wenn man jemandem, der noch nie geschwommen ist, erklären wollte, wie es sich anfühlt im Meer zu schwimmen. Worte allein können niemals ein Gefühl beschreiben – Gefühle können in ihrer Eigenheit nur gefühlt werden – zwischen den Zeilen jedoch, können Worte ein Gefühl übermitteln. Es geht nicht um verstehen, sondern erleben. Vielleicht stellt gerade die Liebe zwischen zwei Menschen die größte Kunst dar. Denn sie teilen ein Gefühl der Liebe für jeweils den anderen – und sind dadurch verbunden. Sie benötigen kein Kunstwerk mehr, das als „Übermittler“ ihrer menschlichen Gefühle fungiert, denn sie haben die Angst und Scham durch Vertrauen und Liebe überwunden – durch den direkten Ausdruck ihrer Gefühle. Kunst verbindet uns, als universelle Sprache unserer zwischenmenschlichen Gefühle.

Foto von UHGO von Pexels

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