Wie zeigt sich die Inspiration?

Foto von cottonbro von Pexels

Inspiration kann uns überall widerfahren: beim Spaziergang, beim Kaffee mit Freunden, im Gespräch, bei der Arbeit oder im Urlaub, die Natur in ihrer schönsten und schrecklichsten Form – ob bei Sonnenauf- oder -untergang, oder Gewitter, Sturm und Regen… sie trifft uns, wenn wir die Welt spüren und wir uns als Ganzes mit ihr sehen, nicht mehr abgetrennt als Individuum, sondern uns als essentiellen Teil dieser Natur wahrnehmen. Dann tauchen wir ein in das Wissen der Welt.

Inspiration äußert sich manchmal einfach als der Antrieb oder die Motivation etwas anzufangen, etwas zu unternehmen. Wenn jemand angeregt ist mit etwas Neuem zu beginnen. Abenteuerlust, Sehnsucht, Sturm und Drang sind Beispiele, in welchen sie sich als Gefühlszustand verkörpert. Es ist der Gedanke oder das Gefühl vor dem ersten Schritt auf einer langen Reise, und begleitet den Menschen auf jedem weiteren Schritt, den er geht. Es ist der Gedanke des Ziels bevor er das Ziel genau kennt oder erreicht hat. Manchmal kommt die entscheidende Idee, wenn man sie am wenigsten erwartet – zugeflogen, dann wenn man gerade eine Pause macht von der bewussten Denkarbeit, wenn man loslässt von der Anstrengung und sich ausruht oder sich auf etwas ganz anderes konzentriert. Denn das Unterbewusstsein denkt weiter und bildet neuronale Synapsen, die zuvor noch nicht da waren. Dieser Prozess passiert vor allem während des Schlafes – und man wacht auf in einen neuen Tag, mit einer neuen Idee! Ein langes und intensives Nachdenken und Überlegen, das erst als so unproduktiv erscheint, sammelt unbewusst eine so hohe Variation an Gedankengängen an, welche in dieser Menge erst im Schlaf bewältigt und verarbeitet werden kann, oder reifen muss, bis der passende Einfall ganz unerwartet ins Bewusstsein tritt. Manchmal hilft es, wenn man eine konkrete Problematik gedanklich entweder auf den Alltag überträgt oder aber auf die Extremform extrapoliert, welche es oft nur in einem Gedankenexperiment geben kann. Dieser Vorstellungsvorgang kann dann gerade die Faktoren oder Eigenschaften verdeutlichen, auf die es bei der kreativen Problemlösung ankommt, oder führt zu einem Perspektivwechsel, aus dem eine neue Idee entsteht. Manchmal muss eine Idee auch erst reifen, um sie später als Frucht ernten zu können. Hier ist die Inspiration wie der ursprüngliche Samen und die Kreativität das Heranwachsen des Baumes, der die Früchte trägt… Wer ungeduldig und nervös ist und zu früh erntet, erhält eine saure, unfertige Frucht. Wer faul und unaufmerksam ist, verpasst den richtigen Zeitpunkt und erhält eine faulige, ungenießbare Frucht. Das interessante an der Frucht (kreative Idee) ist, dass sie selbst neue Samen (Inspiration) in sich trägt – egal ob sie sauer, süß, oder faulig ist. Es passiert, dass eine anfangs ganz kleine, völlig inkomplette, absurde, unverständliche oder scheinbar verrückte Idee den Grundstein setzt für etwas viel Größeres, an den sich im Verlauf und kreativen Prozess immer mehr Gedanken und Ideen anfügen und aufbauen – von einer Person alleine oder einer ganzen Gruppe von Kreativen, um zu einem kompletten, funktionierenden, intellektuellen oder künstlerischen Konstrukt zu werden! Inspiration kann den ersten Anstoß geben, der alles ins Rollen bringt – den ersten Funken, der das Feuer entfacht.

Foto von Lorena Martínez von Pexels

Interessant verhält sich die Kreativität dabei auch, wenn man erkennen muss, wann man sein Ziel erreicht hat. Ein Künstler könnte sein Bild immer weitermalen, immer mehr Farben hinzufügen, bis er schließlich sein Werk zerstört – ein einziger Pinselstrich zu viel kann alle vorherigen zunichtemachen. So erfordert jedes kreative Schaffen nicht nur den Mut zum Anfang, sondern auch zum Ende. Sagen zu können „das ist es – das Bild ist fertig!“, braucht schon davor die Inspiration davon, um diesen Moment zu finden – nicht die genaue Vorstellung des Bildes, aber vielleicht das Gefühl von Schönheit oder Zufriedenheit (nach dem letzten Pinselstrich für das Bild). Inspiration verhält sich dann wie die platonische Wiedererinnerung einer ursprünglichen Idee, aus der durch das kreative Schaffen etwas Reales und Konkretes wird, das auf die Welt wirkt.

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